PRESSEMELDUNG
WHO/UNICEF-Initiative „Babyfreundliches Krankenhaus“:
„Babyfreundlich“ fördert Bindung zwischen Mutter und Kind
Studien belegen: Vernachlässigung von Kindern wird so wirksam
vorgebeugt / Internationale Konferenz mit Experten von WHO und
UNICEF einmalig in Berlin
Berlin, den 19. September 2006 - Babyfreundliche Krankenhäuser verstärken die
Bindung zwischen Mutter und Neugeborenem durch die Förderung des Stillens.
Dadurch werden Kinder langfristig vor Vernachlässigung und Missbrauch geschützt.
Politisch geforderte „Frühwarnsysteme“ vor Kindesmisshandlung müssten durch
diese präventive Praxis der Festigung der Eltern-Kind-Bindung in Babyfreundlichen
Geburtskliniken unterstützt werden. Darauf wies Dr. Michael Abou-Dakn, Erster
Vorsitzender der WHO/UNICEF-Initiative Babyfreundliches Krankenhaus, anlässlich
der internationalen WHO/UNICEF-Konferenz der „Babyfriendly Hospital Initiative“ hin.
60 Experten aus 40 Ländern und Repräsentanten der Weltgesundheitsorganisation
WHO und des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen UNICEF treffen sich zu der
viertägigen Konferenz, um das Konzept „Babyfreundlich“ zu optimieren und an
aktuelle Erfordernisse anzupassen. „Babyfreundliche Krankenhäuser fördern und
schützen in erster Linie die Bindung zwischen Eltern und Kind. Das Entstehen dieser
Bindung nennen wir `Bonding´. Das Stillen ist eine natürliche Folge eines
gelungenen `Bondings´. Nach aktuellen Untersuchungen entsteht in unseren
Krankenhäusern eine stärkere Mutter-Kind-Bindung als in herkömmlichen
Geburtskliniken“, betonte der Chefarzt im St. Joseph Krankenhaus in Berlin. Berichte
aus mehreren Ländern bestätigten, dass die babyfreundliche Geburtshilfe den
Zusammenhalt zwischen Mutter und Kind tatsächlich verbessere. Entscheidend dafür
seien die ersten Lebensstunden und die ersten drei Tage. „Die „beste Praxis“ im
Sinne von „Babyfreundlich“ hat nachweislich einen positiven Effekt auf das Entstehen
der Mutter-Kind-Bindung. Dies schützt das Kind nachhaltig und langfristig vor
Missbrauch, Vernachlässigung und Aussetzung“, unterstrich Dr. Abou-Dakn.
Die Situation in Deutschland
Die Vorteile des Stillens seien in Deutschland ausreichend belegt, aber die positiven
Auswirkungen eines gelungenen Bondings noch nicht genügend bekannt. Die Folge
sei, der Bindungsförderung in Geburtskliniken werde nicht ausreichend Auf-
merksamkeit geschenkt, die Trennung von Mutter und Kind nach der Geburt gehöre
immer noch zur Routine in deutschen Kliniken.