Vor 35 Jahren... |
... und davor? (Tradition in Europa) |
Mit den Zwillingen Lisa und Tina (Zwilling = altgr. didymos) begann 1971 die Geschichte des DIDYMOS - Babytragetuchs:
Als einmal ein Weinen aus dem Kinderzimmer unmißverständlich signalisierte: Mama, ich bin ausgeschlafen!, ein Berg unerledigter Hausarbeit aber nicht länger zu verschieben war, beschloß ich endgültig, mir den kleinen Schreihals umzubinden, wie es die Frauen in anderen Teilen unserer Erde seit Jahrhunderten machen. Schon früher hatten mich die Berichte aus fernen Ländern fasziniert, in denen die Mütter ganz unkompliziert und mit ihren Kindern aufs engste verbunden ihrer täglichen Arbeit nachgehen. Ich besaß ein Tragetuch aus Mittelamerika; es war mir aber zunächst doch zu exotisch erschienen, und deshalb hatte ich es erst einmal in der Wickelkommode vergraben.
Jetzt aber war es so weit: Eine Weile probierte ich, bis ich den richtigen Dreh fand, und spazierte durch unser Dorf, in das wir erst wenige Wochen vor der Geburt der Zwillinge umgezogen waren. Im Nu waren wir das Dorfgespräch und die Bemerkungen nicht immer nur zustimmend. Letztlich überzeugten mich aber die Kleinen. Sie strahlten schon, wenn sie ihr Tuch nur sahen, und auch ich genoß den Körperkontakt mal mit Lisa, dann mit Tina wie eine verlängerte Schwangerschaft. Und es hat ja auch große Vorteile: Die Arbeit muß nicht mehr in die kurzen Schlafpausen gedrängt werden, ich bekam den Haushalt wieder in den Griff und wurde ausgeglichener in dem Bewußtsein, daß auch die beiden Jüngsten genauso viel Wärme und Körpernähe zu spüren bekamen wie ihr Bruder und ihre Schwester während deren Babyzeit, die ich damals stundenlang auf dem Arm herumgetragen hatte.
Als sich bei Tina herausstellte, daß sie an einer angeborenen Hüftdysplasie litt und ihr deshalb eine Spreizhose verordnet wurde, habe ich ihr nachts zwar dieses "Korsett" angelegt, sie tagsüber aber durch das Tragen davor bewahrt, da sie im Tuch mit gespreizten Beinchen auf meiner Hüfte saß. Unser Kinderarzt, dem ich vorher nichts davon berichtet hatte, zeigte sich bei der Nachuntersuchung hochzufrieden über den guten Heilerfolg.
Das Tragetuch wäre heute wahrscheinlich nur noch eine schöne Erinnerung an die ersten Jahre mit unseren Zwillingen. Doch als die "Heilbronner Stimme" und der "Stern" Berichte über uns gedruckt hatten, wollten Eltern aus ganz Deutschland Tragetücher von mir haben, und ich hatte doch selbst nur eins . . .
Wie ich auf dem kleinen Dorf mit vier Kindern im noch nicht fertigen Haus die Babytragetuch-Firma gegründet habe, das ist dann die nächste Geschichte. Nur so viel noch: Ohne Tragetuch wäre es nicht gegangen.
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